Ein Kontrabass-Leben - ÄGERITALORCHESTER - Das Orchester aus dem Ägerital

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Der Kontrabass des Ägeritalorchesters

Seine Lebensgeschichte von Geni Häusler

Die gemachten Annahmen sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit richtig.

24. Christmonat 1835

Protokolleintrag des Paternitätsgerichts (Gemeinderat)
… aussereheliches Vergehen mit seiner Magd Klara Staub von Menzingen …“
„… das paternitaets Gericht erkennt, dass Leonz Iten zur wohlverdienten Straffe wegen gegebenen Ärgernisse in die Busse von 50 fr. verfält seye …“
„… dieses Strafgelde solle an ein Neuen Kirchen-Pass auf die Orgel verwendet werden, der aber auch auf der Orgel verbleiben solle, und niemahl zum Tantz Spiehl gebraucht werden dürfe, der alte Pass aber solle Hr. Weibel zu Handen nehmen, der ersucht ist, selben zu verkaufen.“

Annahme:
Geigenbauer Aloys Suter in Brunnen erhält den Auftrag 1835 von Unterägeri, einen Kontrabass zu bauen. Er arbeitet die Decke aus einer sehr schönen Haselfichte heraus. Mangels weiterer Zahlungen aus Unterägeri legt er die fertige Decke beiseite.

1859
Die Signatur im Innern des Kontrabasses zeigt, dass das Instrument 1859 fertiggestellt wurde.

Annahme: Die Unterägerer brauchten den neuen Kontrabass für ihr Orchester, um eine würdige Einweihungsfeier der neuen Pfarrkirche am 14. Oktober 1860 zu gestalten. Wahrscheinlich hatte der Weibel den alten Pass 1835 noch nicht verkauft und dieser wurde weiterhin im Dienst behalten.


1913

Beobachtungen an der Vereinsfoto von 1913: Der Kontrabass ist mit drei Saiten bespannt. Der Saitenhalter hat aber vier Bohrungen - er ist 2012 immer noch der Selbe. Auch der Wirbelkasten scheint vier Spannvorrichtungen zu haben -  der Wirbelkasten muss also vor 1913 geändert worden sein. Der Bassist Johann Strebel stimmte die drei Saiten in Quinten (Aussage seines Sohnes Josef) - heute stimmt man die Bässe in Quarten. Das Griffbrett berührt die Körperkante  - 2012 wurde es durch Beat Gabriel um 3 cm versetzt, die Anlage ist nun so, wie es bei heutigen Kontrabässen üblich ist.



Beobachtungen an der Vereinsfoto von 1937: Unser Kontrabass wurde in den vergangenen 25 Jahren nicht verändert. Nur der Bassist hat gealtert.

9.3.1923 in Zürich
Auf der Innenseite der Decke hat es den Eintrag mit Bleistift: 9.3.1923 in Zürich.

Annahme:
Der Hals war beim Körper abgebrochen und wurde in Zürich wieder geflickt.
„… Am 12. März 1923 berichtete Kirchenrat Zehnder über eine Beschädigung des Instrumentes anlässlich der Unterrichtserteilung durch den protestantischen Pfarrer Doggweiler.“ Aus 75 Jahre Orchesterverein Unterägeri

  • Otto Henggeler *1914, ehemaliger Posaunist des Orchesters, erinnert sich, als Bub gehört zu haben, dass der Kontrabass einmal von der Seefeldbühne auf den Saalboden gefallen und dabei kaputt gegangen sei.
  • Josef Strebel *1924, Geigenbauer und Sohn des langjährigen Spielers unseres Suterbasses, behauptete zu wissen, dass sich der „Unfall“ wie folgt zugetragen habe: Der Kontrabass sei im Musikzimmer im obersten Stock des Schulhauses am Dorfplatz hinter einer fahrbaren Wandtafel am Boden gelegen. Bei unglücklichen Manipulationen durch Pfarrer oder Schüler sei die Wandtafel um- und auf den Bass gefallen. Diese Darstellung habe ihm sein Vater erzählt.

1958
Josef Strebel erzählte: Als Josef Etter der Tausendsassa am Klavier und an der Geige von Max Müller überredet wurde den Kontrabass zu spielen, lernte er das Instrument bei einem Bassisten mit ein paar wenigen Stunden nach Noten zu spielen. Der mit drei Saiten bestückte Kontrabass sei dann vorher in einen Viersaiter umgerüstet worden.

1977
Das weiche, vom vielen auf die Saite drücken ausgeschliffene Tannenholzgriffbrett wurde von der Firma von Niederhäusern in Luzern durch ein hartes Griffbrett aus Ebenholz ersetzt.

1997
Öffnen und reparieren des Kontrabasses durch Westermann in Zürich.

2012
Instrumentenhals um 3 cm nach vorn verschoben und neu eingesetzt, neuen Steg angepasst und den Saitenhalter frisch montiert durch Beat Gabriel, Adligenswil.


Einige Stationen des Suter-Kontrabasses von 1859

  • Brunnen Geburtsort in der Werkstatt von Aloys Suter 1859
  • Ägerital in Sälen und Kirchen als Orchesterinstrument
  • Ägerital in Restaurants als Tanzmusikinstrument
  • Baar Gemeindesaal und an der Mustermesse Basel mit dem Baarer Orchester
  • Cham Lorzensaal und im Schloss Lenzburg mit dem Orchester Cham Hünenberg
  • Rigi bei TOP of SWITZERLAND von SF DRS mit Kapelle Dani Häusler 1995
  • Fribourg am Eidgen. Musikfest mit der Musikgesellschaft Cham 2001
  • Schloss Wyher in Ettiswil und Schloss Heidegg mit der Camerata Heidegg 2002
  • Rudolstadt Thürigen mit dem  Mandolinenorchester Baar 2004
  • Rickenbach und Hildisrieden Pfarrkirchen mit der Camerata Heidegg 2005
  • Riva del Garda Italien, 8. int. Blasorchesterwettbewerb mit Musikgesellschaft Cham 2005
  • Jesuitenkirche Luzern mit dem Orchester Santa Maria 2005
  • KKL vorher im Kunsthaus mit dem Stadtorchester Luzern
  • Dresden Frauenkirche mit dem Stadtorchester Luzern an Pfingsten 2006
  • Potsdam Nikolaisaal mit dem Stadtorchester Luzern 2009.

Unterägeri, 3. August 2012  Geni Häusler, Kontrabassist.
Publiziert im Ägeritaler IV/2012 vom 21. Sept. 2012



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